Abgeschlossene Projekte


Eine interaktive Online-Edition der rätischen Inschriften

Englische Version

Der Terminus 'Rätisch' bezieht sich auf ca. 230 Inschriften, die in Norditalien, Tirol, Graubünden und Bayern gefunden wurden. Diese Inschriften werden ungefähr in das 6. bis 1. Jahrhundert v. Chr. datiert und sind die einzigen Zeugnisse des Rätischen, einer nichtindogermanischen Sprache, deren Verwandtschaft mit dem Etruskischen heute feststeht. Trotz einiger Bemühungen in der Vergangenheit ist die Dokumentation des Rätischen nach wie vor inadäquat, und unsere Bemühungen, die Texte zu interpretieren, stecken noch in den Kinderschuhen.

Ziel des Projekts ist eine vollständige Sammlung, Präsentation und linguistische Analyse der rätischen Inschriften in Form einer Online-Datenbank vom MediaWiki-Typ. Im Rahmen dieser web-basierten interaktiven Plattform wird das gesammelte Material gespeichert, aufbereitet und präsentiert.

In einzelnen umfasst das Projekt folgende Arbeitsschritte:

  1. Sammlung aller bis jetzt bekannten Inschriften, einschließlich der Inschriften von zweifelhaftem Status.
  2. Überprüfung der Inschriften im Original und vollständige Dokumentation mithilfe von Fotos, Zeichnungen und, falls notwendig, mithilfe von laser scans.
  3. Sammlung und Überprüfung der Sekundärliteratur, d.h. sowohl der Literatur, die sich auf die Inschriften bezieht, als auch der Literatur, die sich mit der Sprache, dem Schriftsystem, archäologischen Daten und historischen Fakten im allgemeinen beschäftigt.
  4. Erstellung einer interaktiven online-Datenbank, in der die Inschriften als online-Korpus präsentiert werden, wobei alle Aspekte der Inschriften (linguistische, archäologische und graphematische Daten) ausführlich dokumentiert werden.

Dieses Projekt basiert auf Lexicon Leponticum, einem FWF-unterstützten Projekt, das ebenfalls am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien durchgeführt wurde, und stellt den nächsten Schritt zu einer umfassenden Online-Edition der Zeugnisse der sogenannten Norditalischen Alphabete dar. Durch das Projekt wird die Verwendung freier open-source Software für die online-Präsentation geisteswissenschaftlicher Inhalte weiterentwickelt und verbessert. Das Projekt soll neue Standards setzen für der Anwendung von Web 2.0-tools in der Linguistik, und den Gebrauch solcher Hilfsmittel zur Kommunikation und Zusammenarbeit im wissenschaftlichen Kontext fördern.

Projektleitung: Stefan Schumacher
MitarbeiterInnen
: Corinna Salomon, Sindy Kluge, Gudrun Bajc, Martin Braun
Förderstelle: FWF
Laufzeit
: Juni 2013 - Juni 2016


Wörterbuch der altirischen Priscianglossen

Ziel des Projekts ist die Erstellung eines Korpuswörterbuches der altirischen Glossen zur Lateingrammatik des Priscian, die im Codex 904 der Stiftsbibliothek von St. Gallen (Schweiz) und in fünf kleineren, ungefähr zeitgleichen Handschriften zu finden sind.

Das Projekt umfasst folgende Arbeitsschritte:

(1) Erstellung einer Datenbank, in der alle Einträge entsprechend ihren grammatischen Funktionen und ihrer Bedeutung analysiert werden.

(2) Die Weiterverarbeitung dieser Datenbank in ein umfassendes Wörterbuch, das alle belegten Formen jedes einzelnen Lexems auflistet (abgesehen von sehr häufigen Lexemen, wie dem Artikel oder der Kopula, bei denen repräsentative Beispiele genügen müssen); die Einträge werden nach semantischen und morphologischen Kategorien geordnet, um dem/der BenutzerIn zu ermöglichen, die für ihn/sie relevanten phonologischen, orthographischen, morphologischen, syntaktischen und morpho-phonologischen Informationen zu exzerpieren.

(3) Die Publikation des Wörterbuchs in Buchform und als durchsuchbare Cd.

(4) Parallel dazu wird eine Online-Datenbank, die alle Glossen der St. Galler Handschrift enthält, mit ausführlichem grammatikalischem Tagging versehen. Diese Datenbank (erstellt von Dr Pádraic Moran, National University of Ireland, Galway) wird im Internet ohne Zugangsbeschränkungen bereitgestellt werden.

Projektleitung: Stefan Schumacher
Mitarbeiter: Bernhard Bauer
Förderstelle
: FWF
Laufzeit: Oktober 2010 - Oktober 2014


Psychiatrie und Kommunikation 2

Projektleitung: Florian Menz, Patrick Frottier
Mitarbeiterin: Regina Maria Geisler, Martin Reisigl
Förderstelle: Institut Moment
Laufzeit: 01.06.2012 - 31.12.2015


Erhöhung der Kommunikationsqualität bei Gesundheitsdiensteanbietern zur Erhöhung der Gesundheitskompetenz der PatientInnen

Die Qualität der Kommunikation zwischen ÄrztInnen und anderen Gesundheitsanbietern mit PatientInnen ist eine der Schlüsselstellen zur Erhöhung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung. Dies wird jedoch in derzeit bei der Behandlung von Krankheiten und der Erhaltung der Gesundheit noch ungenügend berücksichtigt, obwohl zahlreiche Befunde darauf hinweisen, dass die Patientenzufriedenheit ganz entscheidend von der Qualität der Kommunikation abhängt. In dem Pilotprojekt sollen daher die Einflussfaktoren auf die Kommunikationsqualität zusammengetragen und in einen umfassenden Beschreibungsrahmen integriert werden und daraus abzuleitende Überlegungen für ein Umsetzungskonzept erarbeitet werden.

Leitung: Florian Menz
Mitarbeiterin: Regina Geisler
Finanzierung: Gesundheit Österreich GmbH, Bundesministerium für Gesundheit
Laufzeit: Juni 2014 – Dezember 2015

Englisch


Individuelle Erwerbsverläufe im sinnerfassenden Lesen mehrsprachiger SchülerInnen

Internationale Vergleichsstudien wie PISA (15-/16-Jährige) oder PIRLS (4. Schulstufe) zeigen, dass die Leseleistungen einer vergleichsweise großen Gruppe österreichischer SchülerInnen der 4. Schulstufe bestenfalls im Bereich der Basiskompetenzen liegen. Dieses Projekt widmet sich der Erfassung von Strategien und Schwierigkeiten mehrsprachiger Kinder der 2. Schulstufe im Erwerb von Lese- und Schreibfertigkeiten. Ziel ist die Dokumentation individueller Strategien und Entwicklungsprozesse kindlicher Lesekompetenzen auf Mikro- und Makroebene sowie die Entwicklung und Erprobung empirischer Methoden zur Erfassung von Erwerbsprozessen und Strategien im sinnerfassenden Lesen. Vor dem Hintergrund, dass Erwerbsmodelle zum Schriftspracherwerb nur von einsprachigen Kindern ausgehen und dass der Erwerb von Lesekompetenzen mehrsprachiger Kindern im Elementarbereich nur unzureichend beschrieben ist, deckt das Projekt eine wichtige Forschungslücke ab.

Besonderes Augenmerk liegt auf der Dokumentation qualitativer und longitudinaler Daten. Zentrale Erhebungsmethode ist die Videographie. Im Zuge der Projektarbeit entsteht ein Korpus von Videos mit mehr als 50 Kindern, die bei der Bearbeitung von Leseaufgaben und anderen schriftbezogenen Tätigkeiten über den Zeitraum von mindestens einem Jahr beobachtet und gefilmt werden. Ergänzend werden Ergebnisse der gängigen Standardüberprüfungen, Schreibproben und Interviews mit Kindern, PädagogInnen und Eltern in die Dokumentation miteinbezogen.

Die Ergebnisse werden für die fortschreitende Professionalisierung von Lehrkräften im Bereich Leseforschung, Mehrsprachigkeit und Leseförderung in der Grundstufe I und II wie auch für die grundlegende bildungspolitische Arbeit nutzbar gemacht. Das Material bietet wichtige Anregungen für die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften und kann v.a. zur Sensibilisierung für die vielfältigen Formen und Ursachen von Leseschwierigkeiten und die Reflexion pädagogischen Handelns in der Leseförderung genutzt werden.

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Projektleitung: Nadja Kerschhofer-Puhalo
Projektteam: Projektgruppe Literalität und Mehrsprachigkeit (Nadja Kerschhofer-Puhalo, Werner Mayer)
Finanzierung: im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Frauen und der Arbeiterkammer Wien
Laufzeit: 01.09.2013-31.12.2014
Kontakt: nadja.kerschhofer@univie.ac.at, werner.mayer@x-press.at


Österreichisches Deutsch als Unterrichts- und Bildungssprache

Zur Rolle der unterschiedlichen Varietäten der deutschen Sprache an österreichischen Schulen im Deutsch-Unterricht, der sowohl Deutsch als Muttersprachenunterricht, aber auch Deutsch als Zweit- und Drittsprache-Unterricht ist und gleichzeitig Unterricht in der Bildungssprache, gibt es kaum empirische Befunde. Bisher wurde weder in Lehrplänen und Unterrichtsmaterialien noch im Deutschunterricht die Frage der Varietäten und ihrer Funktionalität (österreichisches Deutsch, dialektale Varietäten in Österreich) ausreichend oder systematisch thematisiert, und auch darauf, dass es unter Lehrpersonen exonormorientiertes, also an der deutschländischen Varietät orientiertes Korrekturverhalten gibt, wodurch kaum eine Sensibilisierung der Lernenden im Laufe ihrer Ausbildung für die soziolinguistische und plurizentrische Vielfalt des Deutschen stattfinden kann. Der derzeitige Forschungsstand deutet weiters darauf hin, dass abgesehen von medialen, ökonomischen und soziologischen Faktoren ein maßgeblicher Zusammenhang zwischen den schulisch tradierten Normvorstellungen und der geringen Sprachloyalität der ÖsterreicherInnen zu ihrem Deutsch besteht.

Dieses vom FWF finanzierte Forschungsprojekt hat das Ziel, diese Forschungslücken im wissenschaftlichen und didaktischen Bereich zu identifizieren und zu schließen.

Projektleitung: Rudolf de Cillia
MitarbeiterInnen: Jutta Ransmayr, Elisabeth Fink
Förderstelle: FWF
Laufzeit
: September 2012 - April 2015
URL
: http://oesterreichisches-deutsch.bildungssprache.univie.ac.at


Symmetries in the Grammar of Quantity and Degree

This project investigates relationships between the semantic categories `degree' and `quantity' in human language, through the investigation of constructions in which degree modifiers are co-opted as quantifiers. The existence of cases in which expressions in one category are borrowed into the other points to a degree of permeability in the boundary between the two categories. This permeability in turn suggests that these two cognitive domains share a similar architecture, so that expressions from one domain lend themselves to a parallel usage in the other. This research program is therefore at once theoretically reductive, demonstrating parallels between apparently separate linguistic domains, and empirically revealing, identifying parallels in the cognitive underpinnings of the perception of degree and quantity. A large part of this research is dedicated to the investigation of superlative adjectives in Arabic. Parallels in the manner of association of superlatives with the following noun and the manner in which the universal quantifier `kull' (`every') associates with the following noun suggest that `kull' is a superlative adjective. Similarly, `akthar' is a morphologically transparent superlative derivative of `kathiir' (`many'), and functions as a proportional quantifier meaning `most'. We expect that the identification of similarities and differences in the meaning and use of these quantifier/adjectives will serve to isolate abstract commonalities in the structure of the cognitive domains they transition between.

Projektleitung: Peter Hallman
Förderstelle: FWF, Lise-Meitner Programm
Laufzeit
: 01.04.2012 - 31.03.2014


When Plurilingual Speakers Encounter Unilingual Environments. Migrants from African Countries in Vienna: Language Practices and Institutional Communication

PluS

Plurilinguale SprecherInnen in unilingualen Kontexten. MigrantInnen aus afrikanischen Ländern in Wien: Sprachliche Praktiken und institutionelle Kommunikation

When Plurilingual Speakers Encounter Unilingual Environments. Migrants from African Countries in Vienna: Language Practices and Institutional Communication

Wie läuft Kommunikation ab, wenn mehrsprachige MigrantInnen aus afrikanischen Herkunftsländern und VertreterInnen Wiener Behörden oder Gerichte einander begegnen? Diese Frage steht im Mittelpunkt des transdisziplinären Forschungsprojekts "PluS – Plurilinguale SprecherInnen in unilingualen Kontexten", finanziert aus den Mitteln des "Diversität – Identität Call 2010" des WWTF (Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds), das sich aus einer menschenrechtlichen Perspektive damit auseinandersetzt, wie "einander verstehen" – als Grundvoraussetzung für ein faires Verfahren und Gleichheit vor dem Recht – gelingen kann.

Projektleitung: Brigitta Busch (Institut für Sprachwissenschaft), Walter Schicho (Institut für Afrikawissenschaften)
ProjektmitarbeiterInnen: Martina Rienzner (Institut für Afrikawissenschaften), Gabriele Slezak, Karlheinz Spitzl (Institut für Afrikawissenschaften und Institut für Translationswissenschaft), Margit Ammer (Ludwig Bolzmann Institut für Menschenrechte), Barbara Liegl (Ludwig Bolzmann Institut für Menschenrechte), Dieter Halwachs (Zentrum für Sprache, Plurilingualism und Fachdidaktik, Universität Graz)
Förderstelle:
WWTFim Rahmen des Diversity-Call 2010
Laufzeit: März 2011 - März 2013
URL: http://www.univie.ac.at/ie/sprachmittlung/projekte.html
http://medienportal.univie.ac.at/uniview/forschung/detailansicht/artikel/wenn-mehrsprachigkeit-zum-hindernis-wird/


Die Förderung der Mehrsprachigkeit im Bildungswesen und ihre Auswirkungen auf die Sprachenbiographien: Österreich und Indien im Vergleich

 

Projektleitung: Brigitta Busch, Hans-Jürgen Krumm, Inci Dirim
Förderstelle: Projekt im Rahmen des Kooperationsvertrags zwischen der Universität Wien und der India International Multiversity Pune
Laufzeit: 2010-2012


Eine historische Grammatik des Tocharischen

Das Tocharische ist ein ausgestorbener Sprachzweig des Indogermanischen. Er ist bezeugt durch zwei sehr nahe verwandte Sprachen, Tocharisch A und Tocharisch B, die beide in den Oasen entlang der Nordroute der Seidenstraße im Tarimbecken (heutige chinesische Provinz Xinjiang) gesprochen worden sind. Bekannt sind beide durch Originalmanuskripte, die in einem Zeitraum vom 5. Jh. n.Chr. bis zum 12. Jh. n.Chr. entstanden sind (der Hauptteil stammt aus dem 6. Jh. bis 8. Jh.). Die Manuskripte enthalten entweder buddhistische Literatur oder sind Alltags- und Wirtschaftsdokumente. Das Tocharische spielt eine wichtige Rolle bei der Rekonstruktion der indogermanischen Grundsprache (vor allem von deren Verbalsystem). Diesem Interesse steht jedoch das völlige Fehlen eines vollständigen und auf dem neusten Stand der Forschung befindlichen Handbuches des Tocharischen gegenüber. Auf der anderen Seite sind viele Fragen der tocharischen Grammatik noch immer völlig kontrovers. Der Hauptgrund dafür ist, daß bisher nur ca. 20% des Textmaterials allgemein zugänglich gemacht worden ist. Die von mir geplante historische Grammatik möchte das prinzipiell verfügbare Sprachmaterial zur Gänze einarbeiten. Darüber hinaus kann die Untersuchung auch ganz rezente Forschungsergebnisse berücksichtigen, wie etwa die innere dialektale und soziolektale Gliederung der beiden tocharischen Sprachen und die Chronologie der Manuskripte; für letztere können jetzt erst jüngst gewonnene Erkenntnisse zur Paläographie und die Resultate von 14C-Datierungen der Manuskripte herangezogen werden.

Projektleitung: Melanie Malzahn
Förderstelle:
Österreichische Akademie der Wissenschaften (APART-Programm)
Laufzeit: 01.02.2008 - 31.01.2011


Genre, Habitus und das wissenschaftliche Schreiben Studierender

Im Rahmen dieses Projekts wurden Seminararbeiten von Studierenden aus 3 Studienrichtungen (Personalwirtschaft, Wirtschaftspsychologie und Wirtschafts- und Sozialgeschichte) auf verschiedenen linguistischen Ebenen (Makrostruktur, Kohärenzstruktur, Metakommunikation, Intertextualität, Argumentation/ Explikation, Modalität und Lexik) untersucht und miteinander verglichen. Die linguistische Analyse wurde durch Einstellungsinterviews mit den studentischen AutorInnen und den Lehrenden der Seminare, in denen die Arbeiten verfasst wurden, sowie durch teilnehmende Beobachtung dieser Seminare vervollständigt. Die Ergebnisse zeigen fachspezifische Unterschiede auf der Text- wie auch auf der Einstellungsebene sowie Zusammenhänge zwischen spezifischen textuellen Merkmalen und der Benotung der Arbeiten.

Projektleiter: Helmut Gruber

Teilprojekt 1
MitarbeiterInnen
: Karin Wetschanow, Peter Muntigl
Förderstelle: Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank
Laufzeit: 2001-2003

Teilprojekt 2
MitarbeiterInnen
: Martin Reisigl, Markus Rheindorf, Christine Czinglar
Förderstelle: FWF
Laufzeit: 2001-2004