Finished Projects


Divergenzen zwischen Form und Bedeutung in vergleichender Perspektive

 

Das unerwartete Vorherrschen grammatikalischer Ähnlichkeiten zwischen unverwandten Sprachen stellt eines der markantesten Merkmale der menschlichen Sprache dar. Die Untersuchung dieser Ähnlichkeiten und ihren Wechselwirkungen hat das Potenzial, den universellen Kern der Grammatik der menschlichen Sprache ins Blickfeld zu rücken und infolgedessen den Grundriss des menschlichen Sprachvermögens zu erleuchten. Dieses Forschungsvorhaben trägt durch die Untersuchung einer Reihe semantischer Ähnlichkeiten zwischen englischen und arabischen Verbalphrasen und ihren adjektivischen Derivaten (‚Partizipien’) zu diesem Ziel bei. Ähnliche semantische Merkmale werden in diesen zwei Sprachen zum Teil in verschiedenen morphologischen und syntaktischen Formen ausgedrückt. Die Untersuchung dieser Abweichungen in der morphosyntaktischen Form ähnlicher semantischer Strukturen erlaubt uns, die wesentlichen von den zufälligen Zusammenhängen zwischen Form und Bedeutung in den zwei Sprachen zu unterscheiden, wie auch potenzielle Universalien in diesem Bereich zu isolieren.

Projektleitung: Peter Hallman
Finanzierung: FWF
Laufzeit: Dezember 2014 - November 2017


"Kommunikative Professionalisierung" in der Flüchtlingshilfe

Eine ethnographische Pilotstudie zu Bedarfen, Positionierungen und Praktiken in einem Wiener Projekt

Im Mittelpunkt dieses explorativen Forschungsprojekts steht eine der derzeit drängendsten Fragen der Sozialen Arbeit: die ›Professionalisierung‹ der Hilfsleistungen für geflüchtete Personen. Das Projekt exploriert in einer Wiener Beratungsstelle ethnographisch, was ›Professionalität‹ (die hier handlungstheoretisch als [auch] kommunikative Handlungsfähigkeit und -potenz verstanden wird) für die in diesem Feld beteiligten Akteur*innen bedeutet, wie man versucht, sie kommunikativ herzustellen bzw. zu sichern, wie sie von den verschiedenen involvierten Personen mit diversen sozialen Hintergründen rezipiert wird und wo in diesem Zusammenhang (insbesondere sprach- und kommunikationsbezogene) Probleme gesehen werden bzw. Konflikte entstehen.

Ziel des Projekts ist eine Systematisierung und Problematisierung empirischer Daten, die während einer intensiven Begleitung der Arbeitsabläufe in der Beratungsstelle erhoben werden. Damit sollen die Ergebnisse der Untersuchungen im Rahmen dieses Projekts Problemfelder und Aufgaben identifizieren und eine Basis für eine weitere wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Feld in Form möglichst präzise beschriebener Forschungsdesiderata liefern.

Projektleitung: Jürgen Spitzmüller und Brigitta Busch
Projektmitarbeiter: Jonas Hassemer
Finanzierung: Kulturabteilung der Stadt Wien
Laufzeit: November 2016 – März 2017


Eine Gesamtedition der tocharischen Handschriften

 

Die Seidenstraße hat als Transferroute nicht nur für Waren, sondern auch für Ideen und Sprachen eine Vielzahl von Kulturen hervorgebracht. Tocharisch ist eine von vielen einst entlang dieser Verbindungsroute gesprochenen Sprachen bzw. Sprachgruppen, die in Zusammenhang mit der Ausbreitung des Buddhismus in der Mitte des 1. Jahrtausends nach Christus einer kulturellen Blüte Ausdruck verliehen, heute aber ausgestorben sind. Es handelt sich dabei um einen eigenen Zweig der sogenannten indogermanischen Sprachfamilie; demgemäß ist Tocharisch beispielsweise mit den romanischen und germanischen Sprachen verwandt. Das spezifische Klima der Taklamakan-Wüste hat es ermöglicht, dass viele in Tocharisch abgefasste Schriftstücke mehr als 1500 Jahre hindurch vor dem Zerfall bewahrt worden sind; durch die Entschlüsselung jener Tausende von solchen schriftlichen Dokumenten, die hauptsächlich mit den großen Turfanexpeditionen zu Ende des 19. Jahrhunderts in europäische Museen bzw. auch nach Japan gelangt sind, lassen sich wesentliche Einblicke in die Kultur der tocharischsprachigen Menschen gewinnen. Konkret handelt es sich bei diesen Textzeugnissen um buddhistische religiöse Literatur einerseits und um Dokumente des Alltagslebens wie einen Liebesbrief andererseits. Der Großteil der Texte liegt bis heute allerdings noch immer nur in den Archiven der Museen und ist nur einem sehr kleinen Fachpublikum zugänglich bzw. verständlich. Ziel des Projekts ist es, alle tocharischen Texte als Foto sowie auch in Umschrift und Übersetzung mit jeweils einem sprach- und einem kulturwissenschaftlichen Kommentar versehen im Internet verfügbar zu machen. Auf diese Weise könnten gleich mehrere Forschungslücken geschlossen werden, solche in Bezug auf die Ausbreitung des Buddhismus vom indischen Raum aus bis nach China, die spezifische Kultur des östlichen Teils der Seidenstraße und die Geschichte, ja auch Vorgeschichte der indogermanischen Sprachfamilie.

Projektleitung: Melanie Malzahn
MitarbeiterIn: Hannes Fellner, Bernhard Koller
Förderstelle
: FWF
Laufzeit: Februar 2011 - Jänner 2017
URL: www.univie.ac.at/tocharian


Thesaurus Inscriptionum Raeticarum

 

The term ‘Raetic’ refers to some 230 inscriptions found in Northern Italy, the Austrian federal state of Tirol, the Swiss canton of Grisons, and the South of the German federal state of Bavaria. These inscriptions are roughly dated between the 6th and the 1st centuries BC and are the only remains of Raetic, a non-Indo-European language that we now know to be related to Etruscan. Despite various efforts in the past, the documentation of the Raetic inscriptions is still inadequate, and our attempts at interpreting the inscriptions are still in their infancy. The aim of the project is a comprehensive collection, display and linguistic analysis of the Raetic inscriptions in the form of an online database of the MediaWiki type. The result will be a web-based interactive platform for displaying, storing and referring to the collected material.

The project comprises the following tasks:

  1. Collecting all Raetic inscriptions hitherto known, including those of doubtful status.
  2. Examining the original inscriptions, and documenting them, including photos, drawings and, if necessary, laser scans.
  3. Collecting and examining the secondary literature concerning both the individual inscriptions, and Raetic language, script, archaeology, and history in general.
  4. Creating an online interactive database capable of displaying the inscriptions in an online corpus, with all aspects of the inscriptions (linguistic, archaeological, and graphematic data) documented exhaustively, in the best possible way.

This project is a follow-up task to Lexicon Leponticum, an FWF-funded project at the Vienna Linguistics Department, and constitutes the next step towards a comprehensive online collection and edition of sources concerning the so-called North Italic scripts. In the course of the project, the employment of free open-source software for the online presentation of scientific content in the humanities will be further improved and refined. The project aspires to set new standards in applying Web 2.0 tools within linguistic studies, and encourage the adoption of such collaboration and communication tools like MediaWiki for scientific purposes.