Exkursion ins zweisprachige Burgenland

15.07.2017


von Fiona Kieffer, León Schellhaas, Katharina Schmid und Leonard Brandbeck

 

Im Rahmen des Moduls Sprachlehrforschung, Sprachlernforschung und Sprachenpolitik I fand vom 05. bis 06. Mai 2017 eine Exkursion ins zweisprachige Burgenland statt. Unter der Leitung von Herrn Prof. de Cillia und Frau Prof. Vetter reisten 17 interessierte MasterstudentInnen der Angewandten Linguistik nach Großwarasdorf bzw. Veliki Borištof, um sich vor Ort ein Bild von der burgenlandkroatischen Kultur zu machen. Einige TeilnehmerInnen fuhren mit dem eigenen Auto, der Großteil jedoch bestieg in den frühen Morgenstunden einen Regionalzug am Wiener Hauptbahnhof. Nach der Ankunft in Deutschkreutz war unsere Gruppe auf ein Sammeltaxi angewiesen, um den gemeinsamen Treffpunkt und die spätere Übernachtungsstätte, das Kulturzentrum KUGA, zu erreichen. Bereits aus dem fahrenden Auto fielen zahlreiche zweisprachige Verkehrs- und Straßenschilder ins Auge.

Nach einer kurzen Besichtigung der Räumlichkeiten in der KUGA und dem Verstauen des Gepäcks stand der Besuch der zweisprachigen Neuen Mittelschule auf dem Programm. Hier begrüßte uns die Schuldirektorin Frau Elvira Heisinger persönlich, stellte uns in einem kurzen Vortrag ihre Schule vor und beantwortete gern unsere Fragen. Im Anschluss daran bot sich uns die Möglichkeit, in zwei ausgewählten Unterrichtsstunden zu hospitieren. Zunächst nahmen wir am Geographieunterricht der 3. Klasse teil, in dem das Thema der Stunde darin bestand, die burgenlandkroatische Bezeichnung der Länder Europas, geordnet nach ihrer Zugehörigkeit zur EU, korrekt ins Lernheft einzutragen. Einige von der Direktorin zuvor erwähnten Besonderheiten der Schule wurden durch die Hospitation nochmals verdeutlicht, wie etwa der Einsatz von zwei Sprachen im Unterricht oder die geringe Größe der Klassen (acht SchülerInnen). Die zweite Unterrichtseinheit fand im Musikraum statt, zu Beginn wurde ein Quiz zu bekannten Komponisten durchgeführt, an welchem wir uns ebenfalls versuchten. Während sämtliche SchülerInnen und einige StudentInnen die Fragen problemlos beantworten konnten, scheiterten andere jämmerlich. Es folgten Gesang und Tanz zu einem burgenlandkroatischen Lied. Auch hier wurden wir liebevoll zur Teilnahme animiert.

Bevor wir uns dem weiteren Programm widmeten, betrachteten wir noch eine Ausstellung im Eingangsbereich, welche sich mit der Vielsprachigkeit von Minderheiten in Österreich beschäftigte, und unterstrich, dass die Schule eine Institution der Sprachbewahrung darstellt (siehe http://www.demokratiezentrum.org/ausstellungen/minderheiten.html).

Nach dem Besuch der Schule wurde ein gemeinsames, sehr schmackhaftes Mittagessen im örtlichen Gasthaus Kuzmich eingenommen, an welches auch eine Fleischerei angeschlossen ist.

Der Nachmittag war mit den sympathisch gewählten Worten „Gezieltes Herumtreiben im Ort“ überschrieben. In Vorbereitung auf die Exkursion hatten die StudentInnen sich nach ihren jeweiligen Forschungsinteressen in Gruppen eingeteilt, um bestimmte Orte im Dorf genauer unter die Lupe zu nehmen und Gespräche mit zugehörigen EinwohnerInnen zu führen. So verließ eine Gruppe den Mittagstisch etwas früher, um ihren vereinbarten Termin mit dem Bürgermeister wahrzunehmen.

Der Großteil der Bevölkerung in Großwarasdorf ist kroatisch, laut Bürgermeister sind 80 Prozent der EinwohnerInnen zweisprachig. Auch wenn diese Zahlen nicht ganz aktuell sind, meint er, dass es auch jetzt zumindest noch zwei Drittel sind. Es gibt aber allgemein arbeitsbedingt eine starke Abwanderung, vor allem nach Wien. Im Gemeindeamt wird fast immer Kroatisch gesprochen, alle MitarbeiterInnen müssen zweisprachig sein, darauf werde bei der Stellenausschreibung geachtet. Auch der Kindergarten ist zweisprachig. Die verschiedenen Dialekte des Burgenlandkroatischen sind oft sehr schwer zu verstehen und es gibt viele Germanismen im Burgenlandkroatisch der OrtsanwohnerInnen von Großwarasdorf. Begrüßungen bei Amtsansprachen finden auf Kroatisch statt, danach wird aber nur noch Deutsch gesprochen, da einige Gemeinderäte der ÖVP und SPÖ nur Deutsch sprechen bzw. verstehen. In der Kommunikation mit der Bevölkerung wird zwischen den Sprachen geswitcht. Dokumente hingegen müssen zweisprachig sein, es gibt allerdings vom Bund noch keine Formulare auf Burgenlandkroatisch. Da diese aber normiert vom Bund erstellt werden müssen, werden die Dokumente zumeist selbst übersetzt. Aushänge sind auf Deutsch, weil diese Sprache von allen beherrscht wird. Bei Hochzeiten wird bei der Sprachwahl der Wunsch des Brautpaares berücksichtigt, die Möglichkeiten sind dabei Deutsch, Kroatisch oder beides gemischt. Das Burgenland unterstützt die Zweisprachigkeit und versucht diese zu fördern, dem Bürgermeister zufolge gibt es viel Verständnis für die Wichtigkeit dieser Mehrsprachigkeit. Die Bevölkerung lebe die Zweisprachigkeit aus und es harmoniere auch alles gut mit den ausschließlich deutschsprachigen EinwohnerInnen. Der Wert der Zweisprachigkeit ist ihm zufolge allgegenwärtig und die Einstellung zum Kroatischen sehr positiv. Die zweisprachigen Ortstafeln kamen erst im Jahr 2002, die Einstellung dazu war in der Umgebung ebenfalls positiv. Eine zweisprachige Gemeindezeitung erscheint drei- bis viermal im Jahr mit Berichten etwa über Politik, den Kirchenchor oder Vereine wie den Jugend- oder den Kegelverein. MigrantInnen aus Ex-Jugoslawien taten sich laut dem Bürgermeister teilweise schwer, sich in die zweisprachige Gemeinde zu integrieren, da ihnen Deutsch auf dem Weg zur Integration zumeist wichtiger war. 

Einige StudentInnen hatten sich zudem schon am Vormittag intensiver mit der zweisprachigen Volksschule beschäftigt, die direkt an die Neue Mittelschule angeschlossen ist.

Die Gruppe hatte ein Gespräch mit der Direktorin der Volksschule, Frau Cora Zölss, vereinbart, welche selbst auch unterrichtet. Nach einem einleitenden Gespräch in dem unter anderem die Aufgaben, die ihre Position mit sich bringt, besprochen wurden, führte sie die StudentInnen durch das Schulgebäude. Die Volksschule umfasst drei Klassen, wobei teilweise zwei Schulstufen in einer Klasse zusammengefasst sind. Frau Zölss berichtete, dass die LehrerInnen untereinander Kroatisch sprechen, und hob hervor, dass sie darauf achtet, Kroatisch zu fördern, und versucht, mehr Kroatisch als Deutsch mit den Kindern zu sprechen. Freundlicherweise war es dann auch möglich, dies in den Klassen selbst zu beobachten.

Im Unterricht ist das meiste Material zwei- oder mehrsprachig. Dieses wird oft von den LehrerInnen unentgeltlich selbst erarbeitet. Somit bleibt sehr viel Arbeit – eben auch komplizierte Übersetzungsarbeit – an den bemerkenswert engagierten Lehrpersonen hängen. Dabei seien sie auch verschiedensten Lehrmethoden gegenüber aufgeschlossen und wollten versuchen, die Immersionsmethode in ihrer Schule umzusetzen. Durch den interessanten Besuch der Volksschule wurde offensichtlich, dass das Fördern und Erhalten des Burgenlandkroatischen mit viel Aufwand verbunden ist, doch einige Personen wie Frau Zölss sind mit großer Leidenschaft und Engagement dabei.

Eine Gruppe blieb darüber hinaus im Gasthaus, in dem sich diese StudentInnen mit der Wirtin und einem anwesenden Gast austauschten.

Die Gruppe führte ein Gespräch mit der Gastwirtin, das zuvor telefonisch vereinbart worden war. Es waren sehr viele Fragen vorbereitet, welche sie alle bereitwillig beantwortete. Spontan ergab sich im Gasthaus zudem auch noch ein zweites Gespräch mit einem sehr gesprächigen Gast, sodass eine ausführliche Konversation entstand. Allgemein zeigte sich, dass Kroatisch im Gasthaus sehr präsent ist und die Stammgäste fast ausschließlich Burgenlandkroatisch sprechen, diese gehören jedoch ausnahmslos der älteren Generation an. In beiden geführten Interviews wurde deutlich, dass die jüngeren Ortsansässigen immer weniger Kroatisch können. Außerdem zeichnete sich in den Gesprächen eindeutig ab, dass in den letzten Jahren im Ort scheinbar weniger Kroatisch gesprochen wird und viele Kinder das Kroatisch „nicht hören wollen“. Weiters wird die Meinung vertreten, dass Kroatisch zwar wichtiger sei, aber Deutsch einfach gekonnt werden müsse, um außerhalb der zweisprachigen Gebiete verstanden zu werden.

Der letzten Gruppe war es leider nicht gelungen, den Gemeindepfarrer im Voraus zu kontaktieren; dennoch verbrachte sie eine lehrreiche Zeit und umso anregendere Gespräche mit den aus Bosnien und Kroatien stammenden Klosterschwestern im ehemaligen Pfarrhaus.

Zunächst noch wenig gezielt, sondern eher etwas verloren um die verschlossene Kirche herumtreibend, fand sich die Gruppe, die den Pfarrer leider nicht zu einem Gespräch treffen konnte, letztlich unverhofft inmitten der Gemächer der Schulschwestern des Heiligen Franziskus wieder. Eine der vier in Großwarasdorf ansässigen Schwestern hatte auf das übermütige Anklopfen der StudentInnen an der Tür des Pfarrhofs doch tatsächlich die Tore zum Kloster geöffnet und den verblüfften RumtreiberInnen zu deren freudiger Überraschung Einlass gewährt.

Nur wenige Augenblicke später sahen sich die vier Abgesandten der Exkursion bei Keksen und Tee der Leiterin der örtlichen Ordensgemeinschaft gegenüber und sollten zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wissen, welch spezieller Exkurs nun vor ihnen liegen sollte. Denn als die Gruppe nach einer knappen Stunde die im besten Sinne Heiligen Hallen wieder verließ, hatte sie nicht nur kroatischsprachige Presseerzeugnisse und deutschsprachige Buchpräsente mit vielsagenden Titeln wie etwa „Mystisches Umbrien“, sondern vor allem auch bleibende Eindrücke im Gepäck: Die beredte Ordensschwester hatte sich dem unvermittelten Aufkreuzen der vier StudentInnen mit herzlichster Hingabe gewidmet und ihren Gästen in der Folge mindestens ebenso viel Rede wie Antwort gestanden.

Und so hatte die Gruppe, als sie sich im Anschluss noch auf den Weg zum örtlichen Friedhof machte, um dort durch das Studium der Grabinschriften weitere Aufschlüsse über die religiös-sprachlichen Gepflogenheiten des zweisprachigen Burgenlandes zu erlangen, eine Fülle von Eindrücken zu ordnen: Lehrreiche Erläuterungen zur kirchenpolitischen Historie der Kongregation im Ort; unverstellte Einschätzungen zum örtlichen Zusammenleben; meinungsstarke Thesen zum Verhältnis der Weltreligionen und couragierte Ausdeutungen des allgemeinen Weltenlaufs; lebhafte Anekdoten über abenteuerliche Autofahrten gemeinsam mit der Heiligen Mutter Theresa durch Berlin; euphorische Reaktionen samt juveniler High-Fives auf unvermutete Parallelen bei der Herkunft und zugleich kühne Ideen über die Abstammung der Beteiligten; persönliche Medienkritik aus enttäuschter Betroffenheit; um Wirkung bemühte Worte der Mission; und schlussendlich gar exklusive Einblicke in die neu geschaffene Gebetsstube, der selbst das Fernsehzimmer weichen musste – vor allem jedoch sprudelnde Begeisterung, erfrischende Offenheit, ehrliche Herzlichkeit und beinahe schon rührende Gastfreundschaft hatten die Exkursionsgruppe schier übermannt.

Bei dieser Ballung an Impressionen gerieten die ebenso ausgiebigen Auskünfte der Schwester zu den sprachlichen Gepflogenheiten im Kontext des Gemeinde- und Ordenslebens jedoch trotzdem nicht in Vergessenheit: Selbst aus Bosnien stammend, für kirchliche Belange als Übersetzerin zwischen Kroatisch und Deutsch regelmäßig auf Reisen und als Ordensvorsteherin die in der deutschen Sprache versierteste der durchgängig über bosnisch-kroatische Wurzeln verfügenden vierköpfigen Schwesterngruppe, brachte die Ordensfrau die Perspektive des Standardkroatischen mit in die Erkenntnisse der Exkursion ein.

Und so erzählte sie lebhaft, dass ihr das Lernen des Deutschen mit Standardkroatisch als Erstsprache leichter falle als das des Burgenlandkroatischen. Ihre bewegte Biographie mit bereits vielen verschiedenen Stationen in Europa bildete den Kontext für ihre Präferenz der Standardsprache, würde aus ihrer Sicht doch die ständige Gewöhnung an neue Dialekte und Varietäten die Verständigung nur noch weiter erschweren. Auch aus diesem Grund spreche sie mit den Leuten vor Ort bei der Katechese nahezu ausschließlich Standardkroatisch, das trotz gelegentlicher Reserviertheit im Allgemeinen auch verstanden würde. Als Ausweichsprache fungiere dann das Deutsche.

Der Kirchenalltag bestehe aufgrund der großen Anzahl an aus dem Standardkroatischen mit hergebrachten Wörtern des Burgenlandkroatischen insgesamt betrachtet häufig aus einem „Mischmasch-Kroatisch“: Die Heilige Messe lese der Pater auf Burgenlandkroatisch, bei der Predigt werde jedoch das Standardkroatische bevorzugt. Während das Gebets- und Gesangbuch in Burgenlandkroatisch gehalten seien, singe der Chor zumeist auf Standardkroatisch. Zudem finde die Erstkommunion-Vorbereitung sowohl auf Standardkroatisch als auch auf Deutsch statt, da auch in Kindergärten und Schulen zumeist Deutsch gesprochen werde.

Ihrer Wahrnehmung nach sieht sich die burgenlandkroatische Bevölkerung in der Rolle als „Hüterin der kroatischen Sprache“. Viele Wörter, die im Standardkroatischen längst veraltet und der Schwester höchstens noch aus ihrer eigenen Kindheit bekannt seien, würden im Burgenlandkroatischen bewahrt, worauf man unter der ansässigen Bevölkerung sehr stolz sei. Zwar stellt für die Ordensleiterin das Burgenlandkroatische, das sich im Gegensatz zum Standardkroatischen nicht ständig aktualisiere, eine Art „verfälschtes Kroatisch“ dar, prinzipiell, so ihre Meinung, sei es jedoch unerheblich, welche Sprache eine jede und ein jeder spreche: „Wir müssen uns verständigen“, betonte sie deshalb – am wichtigsten sei letztendlich ohnehin die „Sprache des Herzens“.

Dass die so auskunftsfreudige Ordensschwester diese Worte voller Leidenschaft sprach und darüber eine gänzlich neue Perspektive in die Impressionenvielfalt der Exkursion mit einbrachte, damit hatte aus der Gruppe vor diesem wirklich in jeglichem Sinne denkwürdigen Nachmittag niemand gerechnet.

Nach Rückkehr der Gruppen von ihren Forschungsgesprächen hatte sich zum frühen Abend der burgenlandkroatische Musiker und Politiker Joško Vlasich gern dazu bereit erklärt, mit uns gemeinsam zu diskutieren. Nach einer kurzen Präsentation über die Geschichte der BurgenlandkroatInnen standen insbesondere die KUGA, die Kulturförderung sowie seine eigenen Erfahrungen als Sprecher des Burgenlandkroatischen im Mittelpunkt des Gesprächs.

Joško Vlasich ist Musiker in der bekannten burgenlandkroatischen Band Bruji, pensionierter Lehrer und ehemaliger Politiker. Nunmehr ist er vor allem in der KUGA in Großwarasdorf aktiv und berichtete uns viel über die Situation der burgenlandkroatischen Bevölkerung. Er meint, die burgenlandkroatische Bevölkerung sei am Aussterben, merkt jedoch auch an: „Es dauert noch“.

Zudem erklärte er uns, dass die VorfahrInnen der burgenlandkroatischen Bevölkerung schon vor etwa 450 Jahren ins Burgenland kamen und zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor der Frage stand, ob sie zu Österreich oder Ungarn gehören sollte. Dabei tendierte das Nordburgenland zu Österreich, während die Mitte und der Süden eher unentschlossen waren oder zu Ungarn tendierten. Daher kam es zu einer Teilung, bei der etwa das „natürliche Zentrum“ des Burgenlandes, die Stadt Ödenburg bzw. Sopron, bei einer Volksabstimmung im Jahr 1922 an Ungarn ging.

Insgesamt gibt es laut Vlasich eine Auseinandersetzung bzw. Spaltung zwischen einerseits dem kroatischen Kulturverein im Burgenland (HKD), für die besonders der Schutz von Heimat und Sprache vorrangig ist, sowie andererseits eher „SPÖ-nahen Kreisen“, die das Burgenlandkroatische im Privaten und nicht im öffentlichen Raum verorten. Eine weitere Spaltung zeigt sich im Unterschied zwischen dem stadtnahen Nordburgenland sowie dem ländlich geprägten, „bäuerlichen“ Südburgenland. Der Unterschied zwischen Standardkroatisch und Burgenlandkroatisch ist Vlasich zufolge aber nicht entscheidend für die burgenlandkroatische Identität.

Durchgeführte Gegenmaßnahmen, um die sinkenden Zahlen der burgenlandkroatischen SprecherInnen einzudämmen, sind die hartnäckig erkämpfte finanzielle und politische Förderung, Unterrichtsinnovationen, wirtschaftliche Investitionen oder auch ein „mediales Update“ in der Öffentlichkeitsarbeit. Jährlich gibt es eine staatliche Volksgruppenförderung in Höhe von 1,1 Millionen Euro; davon gehen 90 000 Euro an die KUGA. „Ohne positive Diskriminierung geht es nicht“, bilanziert Vlasich so zum Ende der Diskussion und entlässt uns nach geduldiger Beantwortung unserer zahlreichen Fragen in den Abend.

Das anschließende Abendprogramm in der KUGA stammte aus der Veranstaltungsreihe „Jazz & Wein“, wobei für den betreffenden Abend nur der zweite Teil des Namens zu seinem vollen Recht kam. So musizierten auf der KUGA-Bühne vor beachtlichem Publikum im Wechsel mit einer lockeren Moderation der ausgeschenkten Weine die sogenannten Schürzenträger, welche ihre Instrumente durchaus zu bedienen wussten, in ihren Texten jedoch eher versuchten, mit fragwürdigen Zoten zu unterhalten. Nach Ende des offiziellen Teils des Abends bot sich dann noch die Möglichkeit, mit jungen Kulturschaffenden und MitarbeiterInnen der KUGA ins Gespräch zu kommen, welche ebenfalls interessante Einblicke in den burgenlandkroatischen Alltag boten.

Am nächsten Morgen versammelte sich unsere Gruppe gemeinsam vor der KUGA und spazierte noch einmal zum Gasthaus Kuzmich, wo uns ein reichhaltiges Frühstück erwartete und wir uns mit Mohnstrudel, Marmelade und Kaffee für die Heimreise stärkten. Im Anschluss wurden die Erlebnisse des Vortages in einer Gruppendiskussion reflektiert und die Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst. Schnell war man sich jedoch einig, dass die vielen Informationen zunächst einmal verarbeitet werden müssten und erst bei der einige Wochen später angesetzten Nachbesprechung systematisch aufbereitet werden könnten. Müde, aber voller aufschlussreicher Erkenntnisse stand dann tatsächlich auch schon wieder die Rückreise mit dem Zug über Deutschkreuz nach Wien an – für den einen oder die andere hätte die erstklassige Exkursion dabei wohl gerne noch ein bisschen länger dauern dürfen.